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Was ist Astrologie?
Mächtige Bauwerke wurden nach ihren Lehren
errichtet, mächtige Herrscher sind ihren Ratschlägen gefolgt und
tüchtige Geschäftsmänner haben sich an ihr eine goldene Nase
verdient. Die Rede ist von der Astrologie. Verwundert es da, dass
manche in ihr eine ominöse, geheimnisvolle Lehre sehen?
Wer sich aber intensiver mit den Lehren und
Erkenntnissen der Astrologie auseinandersetzt, der wird erkennen,
dass nur Weniges an ihr undurchsichtig und undurchschaubar ist.
Dieser Ratgeber – so viel darf verraten werden – wird versuchen den
Schleier des Geheimnisvollen, der die Astrologie seit ihren Anfängen
umgibt, ein wenig zu lüften. Aber keine Angst! – auch für den
kundigen Astrologen liegen in den Sternen noch unzählige Rätsel
verborgen.
Bevor aber in einige der Geheimnisse der Astrologie
eingeführt werden kann, muss geklärt werden, was unter Astrologie zu
verstehen ist. Kein einfaches Unterfangen, bedenkt man die lange
Tradition, die die Astrologie in den verschiedensten Kulturen dieser
Erde hervorgebracht hat, an die jahrtausendalte Tradition der
chinesischen und indischen Astrologie, an die geheimnisvolle
Astrologie der Maya, der Azteken und der Inka und schließlich an die
vielfältige Tradition der abendländischen Sternenkunde. Jede dieser
Traditionen hat im Laufe der Geschichte ihre Besonderheiten und
Schwerpunkte gebildet, dieser Ratgeber muss sich daher auf eine von
ihnen beschränken. Im Mittelpunkt des Ratgebers wird die
abendländische Astrologie stehen, die anderen Traditionen können nur
hin und wieder angedeutet werden.
Fasst man die abendländische Astrologie ins Auge,
kann die Astrologie ganz allgemein als eine Lehre verstanden werden,
die sich mit ‚mit den Beziehungen zwischen den Himmelskörpern und
den Lebewesen auf der Erde’ beschäftigt. Das Wort selbst setzt sich
aus den beiden griechischen Wörtern ‚astron’ = Stern und ‚logos’ =
Lehre zusammen, die Astrologie ist also die ‚Lehre von den Sternen’.
In der Gegenwart teilt man die Astrologie gemeinhin in zwei Bereiche
ein, in die Mundan- und in die Individualastrologie. Die
Individualastrologie kann wiederum unterteilt werden in die
Geburtsastrologie, in die prognostische und in die vergleichende
Astrologie. Die Geburtsastrologie erstellt Geburtshoroskope, in der
prognostischen Astrologie werden vor allem Solar- und Lunarhoroskope
erstellt. Die vergleichende Astrologie schließlich tritt meist in
der Form von Partnerschaftshoroskopen auf.
So deutlich und übersichtlich diese Einteilung
erscheinen mag, sucht man nach den Anfängen der Astrologie, tappt
man – ganz ihrer geheimnisvollen Aura verpflichtet – weitgehend im
Dunklen. Bauwerke wie das bronzezeitliche Stonehenge und die
neolithische Kreisgrabenanlage von Meisternthal, Artefakte wie die
erst vor wenigen Jahren entdeckte Sonnenscheibe von Nebra, sie
verraten uns, dass der Mensch schon in der Vor- und Frühgeschichte
dem Lauf der Gestirne gefolgt ist. Und bei der Pracht dieser Bau-
und Kunstwerke darf vermutet werden, dass diese Menschen von den
Sternen fasziniert waren. Die Geheimnisse und die wahren Absichten
dieser großen Kunstwerke mögen uns auf ewig verborgen bleiben, die
astrologischen Anfänge in historischer Zeit lassen sich hingegen in
einem Kulturkreis festmachen. Sie liegen in den Ländern zwischen
Euphrat und Tigris, sie liegen in Mesopotamien. Bereits die Sumerer
haben im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung die ersten
Aufzeichnungen über Himmelsbeobachtungen in ihrer Keilschrift
festgehalten, im 2. Jahrtausend v. Chr. gelangten dann die
Sternenschauer im babylonischen Großreich zu einer ersten
Meisterschaft. Die alten Babylonier identifizierten ihre Götter mit
den Planeten, die mit freiem Auge erkennbar waren. Der Gott
Schamasch wurde mit der Sonne gleichgesetzt, er galt als Herrscher
über das Leben und als Widersacher des Todes, als ein Sinnbild der
Gerechtigkeit. In der Venus erkannten sie die Göttin Ischtar, die
Göttin der Liebe. Dem Lauf der Götter, der Gestirne zu folgen, das
war die Aufgabe der Priester, die in ihm den Willen der Götter
erkennen sollten. Doch trotz höchster Kunstfertigkeit blieb der
Wille der Götter meist verborgen, weshalb den Göttern in
regelmäßigen Abständen Opfer dargebracht wurden. Die Zyklen dieser
Opferfeste orientierten sich an der Wiederkehr der göttlichen
Gestirne, aus den Beobachtungen und Aufzeichnungen dieser Wiederkehr
sind bald die ersten Festkalender entstanden. Und aus diesen
Festkalendern gingen schließlich die profanen Kalender her. Bereits
unter König Hammurapi (1728-1686 v. Chr.) kannten die Babylonier die
Einteilung des Jahres in 12 Monate zu 30 Tagen. Da die Priester ihr
Wissen zwar verfeinerten aber geheim hielten, war der Astrologie
schon in ihren Anfängen etwas Geheimnisvolles, Esoterisches eigen.
Aus der Schilderung der Anfänge wird aber auch
deutlich, dass sich die Astrologie der Frühzeit von der heutigen
Astrologie unterscheidet. In den alten Kulturen galt es nicht das
Schicksal eines Einzelnen, es galt das Wohl der Allgemeinheit aus
den Sternen zu lesen. Bis in die Renaissance ist diese Form der
Astrologie, die auch Mundanastrologie (von lat. mundus = Welt)
genannt wird, der wichtigste Bereich der Astrologie geblieben. Mit
der Entdeckung des Individuums im Humanismus hat aber der bis heute
andauernde Aufschwung der Individualastrologie begonnen. In der
Renaissance erlebte die Astrologie eine neue Hochblüte, sie war
selbst an den Königshöfen höchst angesehen. Mit dem Aufkommen der
exakten, empiristischen Wissenschaften schloss sich diese offene
Blüte bald wieder. In dem Maße, in dem sich in der Neuzeit die
naturwissenschaftlichen Entdeckungen häuften und bekräftigten
(Denken Sie nur an die Entdeckungen von Kopernikus, von Galilei und
Kepler), in dem Maße verlor auch die Astrologie an allgemeiner
Anerkennung – bis es schließlich zur Trennung von Astrologie und
Astronomie kam. Damit wurde die Astrologie wieder ins Reich des
Ominösen und Obskuren abgedrängt, in eine unbestimmte Welt zwischen
Metaphysik und Physik, Aberglaube und Wissenschaft.
In diesen Zwischenwelten tummelte und tummeln sich
selbstredend auch zwielichtige Gestalten und Scharlatane. Doch in
unseren Tagen liegen die Geheimnisse und Kenntnisse der Astrologie
nicht mehr im Verborgenen, sie können von jedermann und jeder Frau
erworben werden.
Dieser Ratgeber soll Ihnen einige der grundlegenden
Erkenntnisse der Astrologie an die Hand geben, damit Sie schließlich
Ihr eigenes Horoskop erstellen können. Denn das Horoskop ist ohne
Zweifel das wichtigste Werkzeug der Astrologie. Unter den Horoskopen
aber ist wiederum das Geburtshoroskop das häufigste, deshalb wird
diesem im Rahmen des Ratgebers die größte Aufmerksamkeit geschenkt.
Ehe Sie sich aber an die Erstellung eines Horoskops wagen können,
sollten Ihnen die wichtigsten Elemente eines Horoskops und ihre
astrologischen wie astronomischen Hintergründe bekannt sein. Sie
sind das Handwerkszeug jedes Astrologen, ob nun Meister oder Adept.